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20. Juli 2020 | Lesezeit: 3 min

UX-Designerin & Texterin

diana.vonow@mosaix.ch
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Peinliche Namen

So richtig peinlich sind jene Produkt- oder Unternehmensnamen, die komplett ausser Acht lassen, wen sie eigentlich ansprechen sollten: die Schweizer. 

Falls Sie die Schweizer Bevölkerung im Innersten berühren wollen, werden Sie nicht darum herum kommen, einen «Schweizer» Namen zu finden. Die schnelle, englische Wahl kann niemals leisten, was Heidi kann: Eine authentische Geschichte erzählen. Ein Anglizismus oder die englische Kundenansprache betonen hierzulande das Fremde, Internationale. Das mag bei Produkten und Unternehmen funktioniert, die ein mondänes, grossstädtisches oder technologisches Flair ausstrahlen und keine emotionale Nähe herstellen wollen: Digitec, Swiss Re, Medics, UPC.

Aber Achtung!

Ein englischer Name kann für einen Teil der Schweizer Bevölkerung elitär wirken. Für manche sind englische Begriffe gar ein Ärgernis. Martin Meyer aus Liebefeld sagt in der Berner Zeitung: «… schlimm finde ich diese ‹pseudoenglischen› Wörter, wie etwa ‹Public Vie­wing›» Ulrich Krummenacher aus Zwieselberg macht sich über einen Kindergarten in Thun lustig, der sich «Children’s Community» nennt: «Ausgerechnet für Kindergarten musste noch ein neuer Ausdruck erfunden werden.» [Quelle: Berner Zeitung].

Knapp 1/3 der in der Schweiz lebenden Menschen verstehen Englisch. Nur 5,4% verwenden Englisch als ihre Hauptsprache.

Quelle: Grafik Mosaix AG (Juli 2020)

In der Deutschschweiz lernen nur rund 35 Prozent der Bevölkerung Englisch [Quelle: BFS]. Aufgrund der fehlenden Sprachkenntnisse riskiert man, dass der englische Name irritiert. Und die englische Aussprache wird beim Lesen ein Problem: Denn gelesen werden unbekannte Begriffe in der Muttersprache. Das zeigte uns ein Test mit dem Namen «e-Framer» eines Schweizer e-Bike-Herstellers. Eine Person gab an, dass der Name ja beinahe gleich sei, wie der Müesli-Riegel «Farmer» von der Migros. Diese Art der Verwechslung passiert nur, wenn der Name deutsch gelesen – also nicht verstanden wird.

Sprach-Kultur

Bei einer Zielgruppe, die man mit dem Aspekt der regionalen (oder emotionalen) Nähe ansprechen will, wird der Name zum Knackpunkt. Nur wenn er in Klang und Melodie zur Sprach-Kultur passt, werden die Schweizer Herzen wirklich erobert. Dann bleibt der Name im besten Falle im Gedächtnis der Schweizer Bevölkerung haften: «Mit Ovo chaschs nid besser – aber länger»; «Wer hät’s erfundä? – Riiicolaaa». [Quelle: srf.ch]. 

Zum Mitnehmen in aller Kürze:

Mit dem richtigen Namen können Sie Ihre Kunden auch emotional erreichen. Englische Namen mögen in den eigenen Ohren gut klingen, erweisen sich aber im Test meistens als schlechtere Wahl. Emotional näher sind deutsche Namen, die leichter verstanden werden und besser in der Erinnerung haften bleiben.

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